Eine neue Grenze - 3. Fahrt

1. - 3. April 2022 

Auf natürlichem Wege existieren sie nur bei unüberwindbaren Schranken. 

Solange die menschlichen Gedanken eingeschränkt bleiben, bleiben sie somit bestehen
die Grenzen dieser Welt. 

Zwei Wochen sind vergangen. Wir hatten also eine Woche mehr Zeit zur Organisation, doch für diese Fahrt mussten wir die Hilfsgüter selbst sammeln. 

Eine Aufgabe, die unser Team mit viel «Spirit» bewältigte. So kamen auch spezielle Hilfsgüter zusammen, welche in der Ukraine für Freudentränen sorgten. 

Die Reise führte zwar wieder nach Deutschland, jedoch stachen wir bei München nach Osten ab. Der Wunsch einer Pfarrei aus dem Kanton Luzern führte uns bei dieser Reise an eine neue Grenze, an eine, die von den Karpaten umrandet ist: Die Grenze zwischen der Ukraine und der Slowakei. Erneut gingen wir mit 3 vollbeladenen Autos los. 

Die Aufregung war auch dieses Mal nicht mehr so hoch wie bei der ersten Fahrt. Doch die unerwarteten Ereignisse von der zweiten Reise haben uns gelernt, dass der Zufallsfaktor immer für Überraschungen sorgen kann. 

Eine weniger überraschende, aber dennoch mühsame Bedingung bot uns der Regen und Schnee, wobei wir uns davon nicht aufhalten liessen, denn die kalten Wetterbedingungen waren für die Flüchtlinge einiges schwieriger als für uns.


An diesem ersten und zweiten April war die Fahrt eher unspektakulär, zumindest bis wir in der Slowakei von der Autobahn abfuhren und eine Hügellandschaft durchquerten, bei der wir auf eine Szenerie trafen, die an ein winterliches Wunderland erinnerte.

So unbekümmert wie die Fahrt, war auch die Ankunft bei der Kirche in Sobrance, einem kleinen Dorf, direkt an der Grenze zur Ukraine. Wir luden alle Güter ab und mussten danach warten, weil unsere Kontaktperson an der Grenze aufgehalten wurde: Wer von der Ukraine in die Slowakei fährt, überquert die EU-Grenze, eine Grenze, bei der jedes Auto genausten kontrolliert wird oder sogar in den Röntgenscanner muss. 

In der Zwischenzeit haben zwei von uns, die Flüchtlinge aus dem Camp abgeholt, in welchem sie auf uns warteten. 

Es war ein grosses Zelt, für mehrere Personen ausgestattet, worin jedoch nur die sieben Flüchtlinge warteten, die mit uns reisten. Anscheinend ist diese Grenze viel weniger frequentiert, da die Reise dorthin einiges aufwendiger sei als an die polnische Grenze.

Währenddem wurde der ukrainische Transporter beladen, welcher unsere Güter nach Uschgorod fährt. Wir staunten nicht schlecht, dass tatsächlich alle unsere Güter in diesem einzelnen Fahrzeug Platz fanden. Güter, welche Menschen erreichen werden, die in den Anhöhen der Karpaten nach Schutz suchen. 

Obwohl wir schlechte Bedingungen mit Regen und Schnee hatten, die vor allem in der Nacht sehr anstrengend waren, so verlief diese Rückfahrt relativ gemütlich. 

Durch einen Schlenker fuhren wir mitten durch Budapest anstatt rundherum. Ein Schlenker, den ich Jeder und Jedem bestens empfehlen kann! Während der Reise gab es zwar noch einen Zwischenfall, der uns in Österreich für eine gute Stunde zurückhielt, doch solche Zufälle gehören eben zu einer zwanzigstündigen Reise.


Als die wärmenden Strahlen wieder auf die glitzernden Schneeflächen trafen, luden die verschneiten Landschaften in Deutschland sogar zu einer Schneeballschlacht ein. Einer dieser Momente bei dem alle Sorgen vergessen gehen. 

Zwar erschöpft, aber ohne Verspätungen trafen wir am Sonntagmittag auf der Raststätte in Kemptthal ein, wo die Gastfamilien uns bereits erwarteten.

Es war ein Abschied, wie auch schon bei den letzten beiden Fahrten. Etwas weniger emotional, und doch verbreiteten sich die Glückshormone im ganzen Körper. 

Im Nachhinein erfuhren wir, dass eine der Mütter, die mit ihrem siebenjährigen Sohn mit uns reiste, zwei ihrer Söhne im Krieg zurücklassen musste. 

Die Geschichten des Jungen die er uns erzählte, dass er Spielzeugautos sammle und zwei sehr wertvolle Autos zuhause lassen musste, wird in Erinnerung bleiben – vielleicht war es seine eigene Version zu erzählen, dass er seine älteren Brüder zurücklies. 


Es sind solche Geschichte die uns klar machen, dass wir in zwei Wochen die nächste Fahrt planen, selbst wenn wir dabei manchmal unsere eigenen Grenzen überwinden müssen.