Eine Auffahrt - 5. Fahrt

25. - 28. Mai 2022 

Auch aus Einkorn lässt sich nahrhaftes Brot backen.

Dieses Mal hatten wir erneut Hilfsgüter gesammelt, welche in der Nähe von Uzhgorod, an die Front sowie zu kleineren Spitälern verteilt werden sollen, die ansonsten kaum von den grossen Konvois beliefert sind. 

Hilfsgüter, die den notbedürftigen Menschen vor Ort, zumindest für einen kurzen Moment, ein kleines Lächeln auf das Gesicht zaubern.


Am Mittwoch, nach der Arbeit, ging es direkt nach Grosswangen, um den Transporter zu laden und mit einer guten Portion Spaghetti im Magen, in Richtung Ungarn. 

Unterwegs, mitten in der Nacht, verlor ein Reifen unseres Fahrzeuges plötzlich Luft. Mit Hilfe eines Reifenfix-Spray und nach sieben langen Runden auf einem Autohofparkplatz, konnten wir die Weiterfahrt sichern. 


Auf dem kalten, windigen Kahlenberg bei Wien machten wir einen kurzen Sonnenaufgangs-Halt.

Während des Tages fuhren wir durch Ungarn hindurch bis nach Záhony, das letzte Dorf vor der ukrainischen Grenze. Dieser Ort wurde zur Übergabe ausgewählt, da an der slowakischen und polnischen Grenze anscheinend stärker kontrolliert wird. 

Leider wurde unser Fahrer mit seiner Familie dennoch für längere Zeit an der Grenze aufgehalten, einer der Grenzwächter hatte während der letzten Rückreise den Einreisestempel im Pass seiner Tochter vergessen, was uns eine längere Pause einbrachte. Uns scheint, als würden die Ukrainer teilweise an der Grenze schikaniert. Doch gefunden hatten wir uns am Ende, wie schon auf all den anderen Fahrten, ohne grösseren Umstände. 
 

Nach dem Abladen wurden wir auf einen Kaffee eingeladen und erhielten dabei Einsicht in das Leben der Ukrainer während des Krieges: 

Die Töchter des Pfarrers haben Online-Unterricht, sofern sie dafür die nötigen Laptops oder Hilfsmittel besitzen. Was ausserdem dringend gesucht wird, sind alte Fahrzeuge (ohne elektronischen Schnick-Schnack) mit Allradantrieb, um die Güter zu verteilen. Seit dem Krieg sind die Preise für solche Autos jedoch stetig am Steigen – die gierigen Geier kreisen über den Sterbenden. 

Mit gemischten Gefühlen machten wir uns auf den weiteren Weg nach Košice in der Slowakei. Da wir über ein verlängertes Wochenende reisten, übernachteten wir diesmal in einem Hotel um Kraft zu tanken.

Die Stimmung an diesem Ort war surreal. Nun sassen wir da, inmitten dieses schönen Ortes, umgeben von Musik, zu welcher ein Wasserspiel vor uns tanzte. Wobei fünf Stunden zuvor noch die Tränen hinter den Augen drückten. 

Einmal mehr wird klar, welches Glück wir haben, an einem solchen Ort zu sitzen und unsere Gedanken durch die Lüfte schweifen zu lassen. Doch auch wenn sie schweifen dürfen, das Elend sollte nie gänzlich vergessen sein. 

Eine erholsame Nacht ging vorüber und die Fahrt nahm ihren weiteren Verlauf. Über wunderschöne Hügellandschaften, holprige Strassen und kleine Dörfer ging die Reise aus der Slowakei nach Polen, zum Tesco Flüchtlingszentrum in Przemysl. 

Vor Ort trafen wir auf Reto Rösch, der mit seinem Reiseunternehmen aus Sursee schon mehrmals Flüchtlinge in die Schweiz gefahren hatte. Auch diesmal waren rund 30 Personen bei ihm angemeldet. Er war nicht die einzige helfende Person vor Ort, die wir aus der Schweiz kannten. Auch Monika, welche uns schon oft unter die Arme gegriffen hatte und Fabio, ein Freiwilliger, der seit rund einem Monat Hilfsgüter in die Ukraine fährt, waren zur selben Zeit auf dem Parkplatz.

Es sind Menschen wie sie, die mit ihrer Zeit und ihrem Engagement für die notwendige Kooperation auf diesem Planeten sorgen. Sie zeigen uns, dass der Mensch eben doch im Grunde gut ist. 

Wir luden einen Hund auf, dem vor kurzem das vordere Bein amputiert wurde, sowie zwei Frauen und einen Mann, die man in der Schweiz bereits sehnlichst erwartete.

Ein paar Kilometer später holten wir noch zwei Katzen ab, die in einem Lagerhaus untergebracht waren. Auch dort trafen wir einen Menschen, der seine Zeit nun vollständig der humanitären Hilfe widmet: ein Pole mit Schweizer Wurzeln, der uns mit einem starken Ostschweizer Dialekt begrüsst und seine Halle zeigt, in welcher er, mit einer Matratze auf dem Boden, schläft und lebt. 

Zeit für einen Austausch blieb keine, doch wir sind von all diesen helfenden Menschen beeindruckt - Ihnen gebührt tiefste Dankbarkeit. 

Auf der Rückreise gab es keine Probleme mehr. Die Pneus hielten ihren Druck aufrecht und die Fahrer ihre Augen geöffnet. Die Tiere waren für eine solche lange Reise mehr als zufrieden und die Flüchtlinge erwartungslos, dafür umso dankbarer. 

Letztlich trafen wir am Samstag in Luzern ein, wo sich alle weiteren Personen mit uns versammelten. Es war ein kurzer, aber schöner Abschied mit wenigen Tränen. 

Obwohl wir nur mit einem einzelnen Fahrzeug fuhren, so war die Reise trotzdem überaus wertvoll. Die Geschichten und Gesichter, die wir sahen, haben dies bestätigt.


Es gibt noch weitere spezielle Güter, die auf uns warten sowie neue Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Nach einer längeren Pause sollen die nächsten Fahrten folgen.

Am Sonntag trafen die ersten Bilder der angekommen Hilfsgüter ein. Ein Beispiel, was nur schon Esswaren für Soldatinnen und Soldaten bedeuten können, zeigen folgende Bilder: